Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat seine jährliche Studie zum weltweiten Stand der Gleichberechtigung veröffentlicht. Neben den üblichen vier Kategorien, die der Bericht vergleicht – ökonomische Teilhabe, Bildung, Gesundheit und politische Ermächtigung -, lag der Fokus diesmal auf dem Hype-Thema Künstliche Intelligenz oder genauer der Frage: Wie viele Frauen und wie viele Männer arbeiten in diesem Bereich? Andere Geschlechter kennt der Index nicht.
Das WEF hat dazu mit dem Berufsnetzwerk LinkedIn zusammengearbeitet und die dort online gestellten Berufsprofile ausgewertet. Als Frauen wurden dabei Profile mit einem weiblich konnotierten Vornamen gewertet, geschlechtsneutrale Namen wurden nicht in die Rechnung mit einbezogen. Das Ergebnis:
Wir machen eine signifikante Geschlechterkluft unter KI-Fachkräften aus. Nur 22 Prozent der KI-Fachkräfte weltweit sind weiblich, verglichen mit 78 Prozent Männern. Das lässt eine Geschlechterkluft von 72 Prozent offen, die geschlossen werden muss. […] Die drei Länder mit dem höchsten Anteil von KI-Talent sind die Vereinigten Staaten, dicht gefolgt von Indien und Deutschland. Zugleich ist Deutschland unter den Ländern mit der weitesten KI-Geschlechterkluft. […] In Deutschland sind lediglich 16 Prozent des KI-Talentpools weiblich.
Das lässt zwei Erklärungen zu: Entweder geben Frauen, die in Deutschland im Bereich Maschinelles Lernen, Deep Learning oder mit anderen Formen von Künstlicher Intelligenz arbeiten, diese Fähigkeiten nicht auf LinkedIn an. Oder aber die Kluft ist in Deutschland tatsächlich wesentlich weiter als im weltweiten Durchschnitt, obwohl hier vergleichsweise viele Menschen über das Wissen und die Ausbildung verfügen.
Nun könnte man sagen: Ist doch schnurz, was Frauen mit ihrer Zeit, Intelligenz und ihren generellen Fähigkeiten anfangen. Gibt ja noch viele andere schöne, wichtige und gesellschaftlich gewinnbringende Berufe. Sollen Männer doch vorwiegend für maschinelles Lernen zuständig sein. Allerdings, darauf weist der Bericht hin, würden damit in einem zukunftsweisenden Bereich auf Dauer wichtige Perspektiven fehlen.
„Die Vielfalt – dazu zählt auch die Geschlechtervielfalt – der Perspektiven von Innovator*innen ist vital, damit die durch KI geschaffenen ökonomischen Chancen die derzeitigen Geschlechterungleichheiten nicht verstärken und damit neue KI-Systeme den Bedürfnissen der gesamten Gesellschaft dienen.“ Auf Dauer werde die Kluft dazu führen, dass in einem Bereich, in dem es ohnehin schon an qualifizierten Menschen fehlt, Möglichkeiten ungenutzt bleiben werden.
